Mit AdWords Express will Google gezielt kleine Unternehmen ansprechen und diesen den Einstieg ins Online-Marketing erleichtern. Innerhalb von fünf Minuten sollen sich damit Anzeigen bei Google ohne Vorkenntnisse herstellen lassen. Was sich zunächst gut anhört, hat aber immense Nachteile (René Gelin/Oxana Riesner)
Wer heute mit einem Geschäft erfolgreich sein will, muss werben – und zwar im Internet. Eine gute Möglichkeit, Kunden anzulocken, ist eine Anzeige bei Google. Über den Suchergebnissen und am rechten Bildrand wird – je nach den zuvor eingegebenen Suchbegriffen – Ihre Anzeige eingeblendet. Wer also etwa einen Sattler in Regensburg sucht, bekommt Ihre Anzeige angezeigt, wenn Sie Sattler sind, in Regensburg arbeiten und zuvor eine Ad bei Google geschaltet haben. Leider ist das aber vor allem bei größeren Firmen die Regel, denn gerade kleine und mittelständische Unternehmen beherrschen es noch nicht, eine Anzeigen-Kampagne bei Google zu starten. Google will das jetzt ändern. Mit Google AdWords Express sollen auch kleine Unternehmen und Selbstständige eine eigene Anzeige hinbekommen. Unsere Experten bezweifeln allerdings den Nutzen dieses Dienstes.
Kein Vergleich zu AdWords
„AdWords Express ist für lokale Angebote prinzipiell gut geeignet, holt aber nicht das maximal Mögliche heraus, da keine Keyword-genaue Aussteuerung der Kampagne erfolgen kann“, sagt Tobias Ihde, der in der Geschäftsführung der construktiv GmbH (www.construktiv.de) tätig und ein Experte für AdWords ist. Der Unternehmer sei auf die Google-Algorithmen zur Berechnung der optimalen Strategie angewiesen. Wenn alle in der gleichen Kategorie den gleichen Algorithmus benutzen müssen, komme es automatisch zur Verdrängung, so die Mahnung des Fachmanns. „Nischen sind schwerer zu bedienen, generell ist AdWords Express aber ein guter Einstieg ins Online-Marketing.“ An den „großen Bruder“ AdWords kommt Express nicht heran. So seien es vor allem die komplexen manuellen Steuerungsmechanismen von AdWords, die bis auf das einzelne Keyword der spezifischen Kampagne greifen, die sich durch ein solches Tool nicht ersetzen lassen, sagt Ihde. Auch ließen sich keine Rückschlüsse auf besonders Klick-attraktive Texte oder sehr erfolgreiche Keywords ziehen, da A/B-Tests nicht möglich sind. Zu guter Letzt könne man nur zwischen drei Budgetgrößen wählen, die einem von Google vorgeschlagen werden, so der Fachmann. Ein weiteres Manko bestehe in der zeitabhängigen Schaltung von Anzeigen. „AdWords Express verursacht bspw. für Bäcker auch spät abends noch Kosten, wenn keine Kunden mehr zu erwarten sind.“ Ihde packt das in eine gute Metapher: Wenn man in den Voralpen wandern gehen wolle, reiche leichte Ausrüstung (AdWords Express); wenn man auf die hohen Berge wolle, bedürfe es mehr Equipment, Know-how und Aufwand (AdWords).